Ex-Gotteskrieger diskutiert mit EU über Rückführungen

Gespräche zwischen Taliban und EU in Brüssel

In Brüssel wird eine fünfköpfige Delegation der Taliban unter der Leitung von Abdul Qahar Balkhi Gespräche mit Vertretern der EU-Staaten führen. Ziel dieser Verhandlungen ist es, die Rückführung afghanischer Staatsbürger zu regeln. Balkhi, der in der Vergangenheit gegen die Bundeswehr gekämpft hat, präsentiert sich als Sprecher des Islamischen Emirats Afghanistan, das derzeit von den Taliban regiert wird. Er betont: “Wir sind das Islamische Emirat. Wir regieren dieses Land, dienen unserem Volk und arbeiten mit anderen Ländern zusammen, auch mit dem Westen.”

Kritik an Menschenrechtsverletzungen

Der Besuch der Taliban-Delegation in Brüssel ist jedoch von Kontroversen begleitet, da den Taliban gravierende Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. In einem Interview im Jahr 2024 wies Balkhi solche Vorwürfe zurück, insbesondere die Kritik an den strengen Einschränkungen für Mädchen und Frauen in der Bildung. “Die Behauptung, das Islamische Emirat sei gegen die Bildung von Frauen, ist falsch. Es handelt sich um einen böswilligen Versuch, das Ansehen des Islamischen Emirats Afghanistan zu schädigen”, erklärte er und verwies auf alternative Bildungsangebote wie Madrasas, Heimunterricht und Online-Kurse.

Nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 wurde Balkhi zum Sprecher des afghanischen Außenministeriums ernannt. Seitdem agiert er als Ansprechpartner für internationale Medien, einschließlich ARD-Korrespondenten. Seine außergewöhnlich guten Englischkenntnisse sind auf seine Kindheit in Neuseeland zurückzuführen, wo er in einer afghanischen Familie aufwuchs. Trotz seiner Sprachkenntnisse ist Balkhis Vergangenheit als Kämpfer umstritten. In einem Interview mit dem NDR berichtete er über seine Zeit als Mudschaheddin in der nordafghanischen Provinz Kundus, wo er gegen die deutschen Streitkräfte kämpfte.

Reaktionen von Afghanistan-Veteranen

Die Tatsache, dass ein ehemaliger Taliban-Kämpfer nun in Europa als Diplomat empfangen wird, ruft bei deutschen Afghanistan-Veteranen gemischte Reaktionen hervor. Johannes Clair, der 2010/2011 in Kundus als Fallschirmjäger diente, äußert sein Unverständnis und seine Empörung über die Situation: “Es beschämt mich als Soldat, als Veteran und als Staatsbürger.” Für Clair waren die Taliban damals sowohl Kämpfer als auch feige Terroristen, die aus dem Hinterhalt agierten. Er beschreibt die Gefahren der Region: “Während wir uns den Menschen gezeigt haben und versucht haben, Kontakte zur Bevölkerung zu knüpfen, griffen die Taliban mit Sprengstoffanschlägen oder Selbstmordattentätern an.”

Kundus gilt als eine der gefährlichsten Provinzen Afghanistans, in der viele Bundeswehrsoldaten ihr Leben verloren und andere mit schweren Verletzungen oder psychischen Traumata zurückkehrten. Clair hat über seine Erfahrungen ein Buch mit dem Titel “Vier Tage im November” verfasst. Die aktuelle Situation, in der Abdul Qahar Balkhi, ein früherer Taliban-Kämpfer aus Kundus, in Brüssel empfangen wird, ist für ihn unverständlich. Er weist darauf hin, dass Balkhi neuseeländischer Staatsbürger ist, was für Clair bedeutet, dass er in einem westlichen Land sozialisiert wurde und sich dann radikalisiert hat, um gegen vermeintlich Ungläubige zu kämpfen. “Das diskreditiert ihn aus meiner Sicht als Verhandlungspartner”, so Clair.

Bei den Gesprächen in Brüssel wird die EU versuchen, die Rückführungen nach Afghanistan zu erleichtern. Berichten zufolge verfolgt die Taliban-Delegation unter Balkhi jedoch auch eigene Interessen, wie etwa die Forderung, mehr Taliban-Diplomaten nach Europa entsenden zu dürfen, als Gegenleistung für die Unterstützung bei den Abschiebungen.

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